Die große Reise - Teil 1

Griechenland - Serres Dezember 2017

Als zwei Hände nach mir griffen, drückte ich mich winselnd auf den Boden, darauf gefasst, jeden Moment Schmerz zu erfahren. Stattdessen streichelten die Finger sanft über meine Schnauze und die Ohren.

            „Alles gut, hier tut dir niemand was. Jetzt lass uns mal schauen, ob du verletzt bist.“

Die sanfte tiefe Stimme war angenehm, aber als die Hände kräftiger zupackten, um mich hochzunehmen, versteifte ich mich sofort und gab ein leises Knurren von mir. Mehr traute ich mich nicht.

Eine Frau kam dazu und tastete mich rundherum ab. Sie schaute mir tief in die Augen und ins Maul, drückte auf meinem Bauch herum und fuhr mir über die Seiten.

Ich war im Hundegarten Serres gelandet, wie ich später erfuhr und in Sicherheit.

Ich wurde geimpft, aufgepäppelt und fotografiert. Jetzt saß ich frisch gebadet mit anderen Hunden im alten Büro und genoss die Wärme des Heizlüfters, der auf Hochtouren arbeitete. 

Alle, die hierherkamen, gingen auf große Reise. Wenn davon die Rede war, strahlten unsere Betreuer vor Freude und Glückseligkeit, was sich auf uns Tiere übertrug. Es sah danach aus, als wäre ich diesmal dabei. Die Aufregung war greifbar. Ich hatte keine Ahnung, was auf mich zukam, aber tief in mir drin spürte ich, dass alles gut werden würde. Ich rollte mich in einer Ecke zusammen und wartete gespannt. 

Mittlerweile war ich sechs Monate alt und hatte mich gut entwickelt. Ein starkes Gefühl, dass jemand fest an mich dachte, mich liebte und auf mich wartete, durchflutete mein Herz. Ich seufzte und atmete tief durch. Die Tür öffnete sich und Christian, einer der Betreuer, nahm mich hoch in seine Arme.

            „Bereit für die große Reise?“, fragte er und drückte seine Nase in meinen wohlriechenden Nacken.

Da, wieder das Zauberwort: ‚große Reise‘. Am liebsten hätte ich laut gebellt: „Ja!“

Er trug mich durch den Außenbereich, der vom Regen aufgeweicht und schlammig war. Die anderen Hunde sprangen um uns herum und wünschten mir viel Glück.

Christian stieg mit mir durch die Hecktüren ins Reisemobil. Rechts und links waren dreistöckig die Transportkäfige angebracht und ich blinzelte über seinen Ellenbogen, um zu sehen, wer alles dabei war. Er bettete mich auf eine weiche Decke, dann schloss sich meine Käfigtür. Das Mobil füllte sich schnell. Ich quietschte vor Freude auf, als mein bester Freund zu mir in die Box kam.

Es rüttelte, als der Motor startete und sich der Transporter in Bewegung setzte. Christian nahm mittig auf einem Nothocker Platz. Er ließ uns nicht allein.

            „Auf in ein neues Zuhause!“, rief er und lächelte in die Runde.

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Kommentare: 1
  • #1

    Máire Martin (Samstag, 17 Juli 2021 16:15)

    Schön ��
    Wann komnt Teil II?

    Viele Liebe Grüsse

    M